18. Eisenacher Telemann-Tage 2017 10. - 25. Juni 2017

Eisenach und Wilhelmsthal

»Klingende Reformation – Telemann und die Kirchenmusik«

Gilt es Georg Philipp Telemanns 250. Todestag auch an seiner Thüringer Wirkungsstätte würdig zu begehen, so sieht sich die Stadt Eisenach 2017 einem weiteren Großereignis gegenüber: Ist sie doch als »Reformations-Hauptstadt für Thüringen« im Jahr des 500. Reformationsjubiläums in der Pflicht, diesem Ereignis ganz besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Grund genug, die Synergieeffekte, die dieses Doppeljubiläum für die Wartburgstadt nicht allein in thematischer Hinsicht bietet, zu nutzen und die 18. Eisenacher Telemann-Tage 2017 unter das Motto »Klingende Reformation – Telemann und die Kirchenmusik« zu stellen.

Die thematischen Zusammenhänge liegen auf der Hand: Martin Luther ging 1498 bis 1501 in Eisenach zur Schule. Nach dem Reichstag zu Worms wurde er 1521 auf die Wartburg verbracht, wo er sein Übersetzungswerk vornahm. Luthers Auffassung von Musik wirkte sich sofort und nachhaltig auf die Kirchenmusik aus. Fortan wuchs deren Bedeutung durch das Aufblühen der Schülerchöre, der Figuralmusik sowie des Adjuvantenwesens. Kirchenmusik wurde untrennbarer und immanenter Bestandteil des protestantischen Predigtgottesdienstes. Zahlreiche neue Werke entstanden. Zu ihnen gehört die neue Form der protestantischen Kirchenkantate, wie sie der Theologe und Textdichter Erdmann Neumeister geschaffen hatte. Telemann nahm sich dieser Form während seiner Eisenacher Zeit als Hofkapellmeister an, begründete und etablierte sie mit der Konsequenz, dass keiner der zeitgenössischen Komponisten, einschließlich Johann Sebastian Bachs, daran vorbei kam.

Einen Schwerpunkt im Rahmen der 14 Veranstaltungen der 18. Eisenacher Telemann-Tage werden daher die Kantaten-Konzerte und -Gottesdienste in der Georgenkirche bilden, die nicht nur Predigtkirche Luthers, sondern auch Telemanns Wirkungs- und damit die »Geburtsstätte« der neuen protestantischen Kirchenkantate ist. So sollen im Eröffnungskonzert, neben Ouvertüren und Concerti, opulent besetzte Telemannsche Trauungskantaten ihre moderne Erstaufführung durch das Ensemble La Stagione Frankfurt unter der Leitung von Telemannpreisträger Michael Schneider erleben. Als thematisches Pendant bringt die Mitteldeutsche Barock-Compagney im Vorfeld des Todestages Trauerkantaten von Telemann und Johann Sebastian Bach zu Gehör. In zwei Kantatengottesdiensten werden unter der bewährten Leitung von KMD Christian Stötzner sowie von Thomaskantor Gotthold Schwarz zwei ganz unterschiedlich besetzte Telemann-Kantaten erklingen. Mit Telemanns Nachwirken im Kantatenschaffen seiner Zeitgenossen und Nachgeborenen beschäftigt sich schließlich das Konzert der Sopranistin Julia Kirchner und ihres Ensembles tesori della musica, bestehend aus Absolventen der renommierten Schola Cantorum Basiliensis, im Telemannsaal von Schloss Wilhelmsthal. Ist Telemanns Orgelwerk auch weit weniger bedeutend als das von Bach, so lässt es doch etwas von seiner Vielseitigkeit erahnen. In einem Orgelkonzert mit dem Organisten der Altenburger Schlosskirche Felix Friedrich soll auch diese Seite des Kirchenmusikers Telemann zur Geltung kommen.

In drei prominent besetzten Konzerten wird explizit der Bogen von der Reformationszeit bis in das 18. Jahrhundert auf je unterschiedliche Weise gespannt: So widmet sich das renommierte Vokalquartett Stimmwerck dem »Eisenacher Kantorenbuch«, einer im 16. Jahrhundert angelegten Gebrauchssammlung, die in Telemanns Eisenacher Wirkungszeit noch zum festen Usus des Chorus musicus gehörte und damit einen Einblick in kirchenmusikalische Praktiken seiner Zeit gibt. Die namhafte Mezzosopranistin Marion Eckstein und die Echopreisträger NeoBarock warten mit Vertonungen von Reformationstexten vom frühen 16. Jahrhundert bis zu Telemann auf, während im finalen Festkonzert an Telemanns 250. Todestag das Bach Consort Leipzig und das Sächsische Barockorchester unter der Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz Luther-Kantaten Telemanns erklingen lassen. Zwischen den Kantaten spricht Pfarrer Dr. Friedrich Schorlemmer zu Themen wie Obrigkeit und Mündigkeit, Gier und Absturz, Sicherheit und/oder Freiheit, Glaube und Macht, Privatsphäre und Menschenrechte. Themen, die aktueller sind denn je.

Das gemeinschaftlich mit der Evangelischen Grundschule produzierte Kindermusical »Etwas Neues« soll das Festivalthema am Abend der »Eisenacher KinderKulturNacht« in der Eisenacher Nikolaikirche auch für die Jüngsten erlebbar machen. Eine Foyerausstellung im Bachhaus, kuratiert vom Bachhausdirektor Dr. Jörg Hansen, die traditionelle Ehrung am Telemann-Obelisk, musikalisch umrahmt vom Posaunenchor Eisenach und ein Vortrag zum Schwerpunktthema von Dr. Brit Reipsch vom Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung Magdeburg im Eisenacher Stadtschloss runden das Festivalprogramm ab.

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