Zur Geschichte der Eisenacher Telemann-Tage

»Die Eisenacher Telemann-Tage gehören zur Musiktradition unseres Landes. Das Festival in der Wartburgstadt hat sich längst im Veranstaltungskalender des Freistaats etabliert. Als ein Aushängeschild Thüringer Musikkultur ist es weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt und zieht viel Musikinteressenten in seinen Bann.« – Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, 2016

War es im 19. Jahrhundert still um Georg Philipp Telemann geworden, so gaben Schriften zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Anstoß zu einer historischen Neubewertung seines reichen musikalischen Schaffens. Auf eine erste Publikation in der Editionsreihe »Denkmäler der deutschen Tonkunst« folgten ein Flut von Einzelausgaben seiner Werke, zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und schließlich Tonträger. Bald nach der Jahrhundertmitte setzte in Ost- und Westdeutschland auch eine institutionell organisierte Beschäftigung mit Telemann ein. Den endgültigen Durchbruch brachte das Telemann-Jahr 1981, in dem der 300. Geburtstag des Komponisten auch an seiner einstigen Thüringer Wirkungsstätte gefeiert wurde. Vor diesem Hintergrund regte der damalige Musiklehrer und spätere Bachhausdirektor Dr. Claus Oefner an, es nicht bei einer einmaligen Würdigung zu belassen, sondern eine regelmäßige Telemannpflege in Eisenach zu etablieren. Ist doch kein Ort in Thüringen mehr mit Telemann verbunden als die Stadt unterhalb der Wartburg.

Seither finden die Eisenacher Telemann-Tage in der Regel im zweijährlichen Turnus um Telemanns Todestag am 25. Juni statt. Bis 1992 fungierte die Stadt Eisenach als Träger des Festivals. Zu dessen Fortführung wurde eigens eine Eisenacher Telemann-Gesellschaft e.V. gegründet, die schließlich 2004 mit dem Verein Kammermusik der Wartburgstadt e.V. fusionierte. Einer nachhaltigen Telemannpflege in der Wartburgregion verpflichtet, entwickelte sich der Verein in der letzten Dekade zu einem der wichtigsten Festivalveranstalter im Bereich der Alten Musik in Thüringen und kann nunmehr auf sieben erfolgreich durchgeführte Festivals mit wechselnden Themenschwerpunkten unter seiner Ägide zurückblicken. Neben Konzerten aller Couleur zählten Kantatengottesdienste, Vorträge, Workshops, Ballettaufführungen und Tanzkurse, Kinderveranstaltungen, Ausstellungen, Führungen u.a.m. zu den Veranstaltungsformen. Die Georgen- und Nikolaikirche, der Rokokosaal im Eisenacher Stadtschloss oder der Palas der Wartburg boten dafür immer wieder eine perfekte Kulisse. Ganz besonders am Herzen liegt dem Verein jedoch Schloss Wilhelmsthal, die ehemalige Sommerresidenz der Eisenacher Herzöge, die nach wechselvoller Geschichte und Jahren des Verfalls erst langsam wieder ihren alten Glanz entfaltet. Unermüdlich weist er mit seinen Veranstaltungen auf das Schicksal und die Bedeutung des Schlosses, als einzig erhaltener weltlicher Uraufführungsstätte Telemannscher Werke, hin und leistet so seinen Betrag zum Wiederaufleben dieses Erinnerungsortes von europäischem Rang.

Dank einer Kooperation mit der Academia Musicalis Thuringiae e.V. und einer Förderung durch den Freistaat Thüringen konnten seit 2014 Programmplanung und Projektmanagement professionalisiert werden. So gelang es in den letzten Jahren, nicht nur wiederholt internationale Spitzenensembles zu engagieren, sondern auch mit innovativen Programmen und neuzeitlichen Erstaufführungen Telemannscher Werke für Aufmerksamkeit zu sorgen. Mit der 18. Auflage möchte der Veranstalter im Telemann-Jahr 2017 der Geschichte des traditionsreichen Festivals ein weiteres glänzendes Kapitel hinzufügen. So zählt er zu den Mitinitiatoren des Netzwerks europäischer Telemannstädte, deren Akteure sich im Vorfeld von Telemanns 250. Todestag 2017 zusammengefunden haben, um gemeinsam die nationale Bedeutung Telemanns zu betonen und europaweit ein Signal zu setzen, das dem europäischen Wirken des Komponisten angemessen erscheint. Schirmherrin dieser regionalen und internationalen Kooperation von zehn Wohn- und Wirkungsorten Telemanns ist Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien.

Die Monogrammgravur in barocker Manier auf dem 2012 in Sichtachse zur Georgenkirche aufgestellten Telemann-Obelisk von Andreas Schäfer ist gleichfalls das Markenzeichen der Eisenacher Telemann-Tage.

Seit 2012 prägt das innovative Design der Agentur bbsMEDIEN das Erscheinungsbild des Festivals. Hier das Programmheft von 2016, dessen Farbigkeit, dem Motto folgend, einer polnischen Tracht entlehnt wurde.

Nachhaltigkeit bedeutet für die Veranstalter nicht nur das Streben, die kulturellen Traditionen der Thüringer Musiklandschaft nachfolgenden Generationen zu vermitteln, sondern ebenfalls die Schonung natürlicher Ressourcen. So werden die Werbebanner des Festivals durch die Diako Diakonie-Verbund Eisenach gem. GmbH zu Taschen upgecycelt und im »Der Laden« angeboten.